Peter Straub | Ghost Story (1979)

What’s the worst thing that ever happened to you? That you took off your clothes at night beside the bed of a nine-year-old girl? That you were holding a knife? That the knife wanted to kill her?

No. Other things were worse.

Oh, wie sicher ich doch war, das dieses Buch genau meine Kragenweite ist… 

Gleich zum Einstieg eine Kindesentführung, in der weder Entführer noch Kind den üblichen Erwartungen genregestählter Leser entsprechen (mit Verlaub, das Kind ist creepy), es geht also vielversprechend los.

Und bis zur Hälfte des Buchs, an der mich dann endgültig die Geduld verlassen und zum Abbruch bewegt hat, wird keins dieser Versprechen eingelöst. Nach dem Prolog wechselt die Handlung in ein kleines, verpenntes Städtchen in der Provinz, in dem vier ältere Herren sich regelmäßig zu ihrer privaten kleinen Tratschrunde, genannt The Chowder Society, treffen. Höhepunkt dieser Runden ist seit neuestem die Beantwortung, oder genauer gesagt das Ausweichen, dieser Frage: 

What was the worst thing you’ve ever done?

Stattdessen präsentiert bei jedem Treffen ein anderes Mitglied der Society eine Geschichte über das Schlimmste, dass ihm zugestoßen ist. Was leider eher behäbige, arg staubig daherkommende Gespenstergeschichten sind, die im weiteren Verlauf der Geschichte ein Eigenleben in der Gegenwart der Protagonisten entwickeln. Die Society schrumpft durch mysteriöse Todesfälle, es werden Schafe und Kühe gemeuchelt und bis auf den letzten Blutstropfen ausgelutscht, Verstärkung naht in Gestalt des Entführers aus dem Prolog, eine geheimnisvolle junge Frau kreuzt quer durch alle Zeitebenen und hinterlässt eine Spur dahingeschiedener oder wenigstens gebrochener Liebhaber… und es lässt mich alles so unglaublich kalt.

In der Gemeinde passionierter Horrorleser wird dieser Roman sehr hoch geschätzt, und mir bleibt es leider ein Rätsel, wieso. Die Handlung schleppt sich am Rollator mit angezogener Handbremse voran, die Charaktere bleiben mir allesamt herzlichst egal, und Spannung oder gar Grusel will sich einfach an keiner Stelle aufbauen, zu betulich ist das alles geschrieben. Was nebenbei gesagt nicht etwa daran liegt, dass die Hauptfiguren Senioren sind und ich eher jüngeres Personal bevorzugt hätte (siehe Stephen Kings Schlaflos für gelungenen Rentnergrusel), die Ödnis ist altersneutral.

Nach rund 50% dieser literarischen Baldriantinktur gebe ich besten Gewissens: 

Bewertung: 2 von 5.

Titel: Ghost Story
Autor: Peter Straub
Erstveröffentlichung: 1979
Genre: Horror
Format: eBook
Umfang: ca. 580 Seiten

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