Stephen Graham Jones | Zombie Bake-Off

Stephen Graham Jones | Zombie Bake-Off

Any zombie fight is a food fight.

Mit diesem Satz hat Herr Jones knapp und treffend formuliert, worum es in seinem Buch ziemlich nonstop geht: fressen oder gefressen werden, und das im eher ungewöhnlichen Setting einer „Hausfrauenmesse“ mit besonderem Schwerpunkt auf süßem Backwerk nach alten Familienrezepten.

In diese kreuzamerikanische Veranstaltung platzt eine verfrüht eintreffende Truppe Wrestler, die am selben Veranstaltungsort am Abend ihre Show gebucht haben. Dummerweise legen diese Herren (und Damen) größten Wert darauf, ihrem schlechten Ruf durch allerlei rüpelhafte Aktivitäten gerecht zu werden, und sorgen dafür, dass niemand die Allzweckhalle verlassen kann, bevor sie ihren „Spaß“ hatten.

Mehrere Kartons Donuts, die aus hier nicht näher erläuterbaren Gründen mit einem Zombievirus kontaminiert wurden, sorgen dann für mehr Action, als geplant war. Im Kampf ums Überleben kommt von Wrestlingtechniken bis Hightech-Küchenmaschinen alles den in der Halle Eingeschlossenen verfügbare zum Einsatz, aber ob das reicht?

The grandmother laughs. Mostly at herself. “So you think this is how it is?” she says to him, the mixer at her side like a pistol she can fastdraw. “You think I lived seventy-six years just to be dinner to your kind?”

Mahlzeit! (Ich hab schon mal eine Rezi so begonnen, aber es passt nun mal so schön hierher…) Eigentlich dachte ich, dass Stories aus dem inzwischen arg ausgelutschten Zombie-Genre mich nur noch milde unterhalten können, wenn überhaupt, aber Steven Graham Jones hat es geschafft, mich eines besseren zu belehren. Nicht etwa, weil er hier bahnbrechend neue Ideen oder Konzepte auffahren würde, sondern indem er seine Story schlicht und ergreifend in ein höchst beknacktes Umfeld verfrachtet und dann konsequent den Fuß auf dem Gaspedal parkt.

Man bekommt hier aber nicht nur hahnebüchene Action in dichtem Takt serviert, sondern als Zuckerguss auf dem Gemetzel eine handvoll Protagonisten, die zwar nicht gerade durch ausgefeilte Charakterzeichnung glänzen, aber in dem ganzen Durcheinander doch ausreichend Substanz besitzen, um mit ihnen mitzufiebern. Was mir durchaus zum ein oder anderen „alter Falter“-Moment beim Lesen gereicht hat, muss ich zugeben. Merke: leg dich nie mit Frauen an, die ihre Kinder pünktlich aus der Schule abholen müssen…

Was mir sehr positiv aufgefallen ist: sowohl Prota- als auch Antagonistinnen sind hier tonangebend, ohne dass es aufgezwungen wirkt oder man gar Arnolds große, vor Kraft kaum des Laufens fähige Schwester vorgestellt bekommt. Die Mädels treten mit Geschicklichkeit und Köpfchen Arsch, und das nicht zu knapp!

Von mir bekommen die schleckermäuligen Zombies jedenfalls vier von fünf Donuts, mit extra Zuckerguss!

Bewertung: 4 von 5.

Titel: Zombie Bake-Off
Autor: Stephen Graham Jones
Verlag: Lazy Fascist Press
Erstveröffentlichung: 2012
Genre: Horror
Format: eBook
Sprache: Englisch
Umfang: ca. 260 Seiten

Mein Jahr 2019 in Büchern

Mein Jahr 2019 in Büchern
Oder: die Leseblockade ist ein Arschloch.

2013 habe ich noch knapp über 100 Bücher geschafft, die sich wie nix nebenher weggelesen haben, danach hat sich mein Pensum auf um die 50 Titel pro Jahr eingependelt. Und nun das:



Dreizehn lausige Bücher. 13. Thirteen. DREIZEHN.

Und eins davon nicht mal zu Ende gelesen!

Aber es waren dann wenigstens alles ordentliche Brocken nicht unter einem Umfang von drölfhundert Seiten, richtig?

Pft.



Aber… aber… große Werke der Weltliteratur müssen ja nicht lang und pompös aufgeblasen sein, es ist nur wichtig, dass man sie wie schon jeder andere halbwegs gebildete Mensch wenigstens mal gelesen hat!

Nun ja…



Fazit: Goodreads‘ Infografik für 2019 als deprimierend zu beschreiben, wäre noch geprahlt. Immerhin fanden sich unter den dreizehn Kandidaten sechs Vier- und sogar ein Fünfsterner, und ein besonders garstiger Titel hat mich obendrein zu einer horriblen Illustration inspiriert (dazu evtl. ein anderes mal mehr), es war also nicht komplett für die Tonne.

Und bevor ich nun leise wimmernd versuche, mein aktuell vorgeknöpftes Buch zu beenden, parke ich hier noch eine Grafik der versammelten Werke. Mögen es dieses Jahr wenigstens die 28 aus dem Titel dieses Blogs werden!


Snowy ft. Jason Williamson | EFFED

Snowy ft. Jason Williamson | EFFED

Schaue ich mir an diesem Wochenende die Nachrichten an, oder lese sie im Internet, oder werde im Fahrstuhl darauf angesprochen, dann hab ich schon wieder keine Lust mehr auf dieses Jahr. Alles wie gewohnt, alle bekloppt, oder verlogen, oder gemeingefährlich, viel zu oft gleich alles zusammen.

Zu dieser Laune passt dann doch diese aktuelle Zusammenarbeit von Rapper Snowy und Sleaford Mods Rampensau Jason Williamson, beide in Nottingham zuhause, wie die Faust aufs bereits geschwollene Auge. Von den extra heftigen Beats gibt’s dann halt noch dicke Ohren. Lohnt sich wenigstens.

Ach ja: frohes Neues und so… 🌞

The world’s fucked init
I can tell something ain’t right
It’s one minute to midnight

Kiemsa | Orange Duck

Kiemsa | Orange Duck

Selbst verwackelte Fotos und Musikvideos, zu mehr bin ich momentan nicht fähig, aber für mich ist das schon ein kleiner Erfolg. Ernsthaft. Wäre schön, wenn ich dem heutigen Song des Tages ein paar Prozent seiner zu heftigstem Herumspringen und Luftposaune spielen inspirierenden Energie abzapfen könnte, aber dafür fehlt leider noch die Schnittstelle Audioausgang-Mensch. Verdammt.

Von was diese sympathischen Franzosen der Band Kiemsa hier erzählen, entzieht sich übrigens komplett meiner Kenntnis, an der Sprache bin ich schon in der Schule krachend gescheitert. Aber egal, man kann zur Not ja auch in Pidgin-French mitgrölen ^^

Ach ja, ich war ja wählen…

Ach ja, ich war ja wählen…

…und zu meinem grenzenlosen Entzücken hat meine Partei hier in Berlin mit 4,8% sogar mehr Stimmen als die alteingesessene Traditionssatirepartei FDP (4,7%) bekommen. Ich weiß schon, wieso ich diese Stadt liebe :)

Dass Die PARTEI bundesweit mit 2,4% punkten konnte und nun in Gestalt von Martin Sonneborn und Nico Semsrott zwei Abgeordnete im EU-Parlament ihr aufklärerisches Unwesen treiben können, war mir trotz fieser Erkältung den Besuch der Wahlparty im SO36 wert, und was soll ich sagen… es war sehr gut!

Die musikalische Untermalung war dem Anlass entsprechend angenehm euphorisch, die Getränke stark subventioniert (da kann dann sogar ein Geringverdiener wie ich den Abend durch für Flüssigkeitsnachschub sorgen, ohne pleite zu gehen), das Publikum von der sehr angenehmen Sorte, und die angemessen abgefeierten Redebeiträge der heimlichen Wahlsieger der Unterhaltung sehr förderlich. Ein paar Fotos sind sogar was geworden, meinen im Bild festgehaltenen, feierlichen Handschlag mit Herrn Sonneborn gibt es allerdings nur auf Facebook zu bewundern. Paranoia und so.

Ach ja, und demnächst bin ich dann endlich Parteimitglied. Weiß auch nicht mehr, wie das passieren konnte :)