Hm…

…ob ich hier nicht doch demnächst den Vorhang zuziehe und das Licht ausknipse? Alles, wirklich ausnahmslos alles, was ich hier anfangen möchte, versandet nach einem Post voller guter Vorsätze im digitalen Nirvana, was mir wiederum nachhaltig die Lust auf weitere Anläufe versalzt.

Dazu kommt noch die inzwischen über zwei Jahre (!!) anhaltende Leseflaute bzw. Leseunlust, die auch nicht unbedingt dabei hilft, hauptsächlich über Gelesenes zu schreiben. Teufelskreis, elender.

Und nein, ich hab mitnichten vom Horrorgenre den Kanal voll, andere Stilrichtungen scheitern gleichermaßen daran, mich ans Buch zu fesseln. Ganz gleich, ob es sich um ein elektrisches oder papiernes Exemplar handelt, das Argument zieht auch nicht.

Ich lass das jetzt mal so hier stehen. Wer weiß, ob ich nächste Woche nicht doch mit der garantiert motivierenden Idee für den Blog aufwache…

Lost in Digitalien

So langsam frage ich mich, was mich geritten hat, diesen Blog für Gedanken zu und über meine geliebte Horrorliteratur einzurichten… aller guten Vorsätze zum Trotz schaffe ich es einfach nicht, mein Gedankenkarussell regelmäßig in schriftliche Form zu bringen, obwohl da durchaus einiges raus möchte.

Stattdessen fließt meine zunehmend dunkelschwarze Laune immer häufiger in meine Pinsel, und inzwischen bevorzugt in den Digi-Pen fürs Tablet. Ich habe vor ein paar Wochen für mich die Procreate-App entdeckt, und zu sagen, dass ich schwer verliebt bin, wäre noch untertrieben! Es dürfte passende Pixelpinsel für so ziemlich jede denkbare Zeichentechnik geben, und dem Herumexperimentieren sind damit keine Grenzen gesetzt. Von schnell hingesudelten Kritzeleien bis zu sorgfältigen, zeitaufwendigen Zeichnungen geht alles, ein paar Beispiele zeige ich hier einfach mal her:

Die Großstadt in Zeiten der Seuche, eine Tracing-Übung mit einem meiner liebsten Vokalakrobaten (Vorlage hier), und ein spontan neben dem Hören visualisierter Song (Gallows Hill). Digitales Zeichnen ist sehr befreiend, bin gespannt, wo ich damit noch landen werde.

#Nichtober Tag 1: Walfisch

Mit der Gesamtsituation unzufrieden: Walfisch

Oktober 2021, und wieder lockt mich die Versuchung der Inktober-Challenge… Die mich bislang zuverlässig je-des-mal komplett überfordert und zum Abbruch in der ersten Woche gebracht hat. Deprimierend gute „Konkurrenz“, ständiges Drama in der weltweiten „Community“, Streitereien über „zulässige“ Techniken, und Ernüchterung angesichts meiner eigenen bescheidenen Fähigkeiten… Nein, Spaß geht anders.

Trotzdem juckt mir der Pelz, es nochmal zu versuchen, und dieses Jahr pfeife ich auf den #Inktober und Folge lieber den Vorgaben des #Nichtober von Joscha Sauer, der für seine herrlich fiesen „Nicht lustig“-Cartoons bekannt ist. Das war letztes Jahr schon der angenehmer zu verfolgende Hashtag, wie könnte ich also widerstehen… 🤗

Das erste Stichwort ist Walfisch, und meiner ist in seiner verschmutzen Brühe zu einem mächtig angepissten Frankenfisch mutiert. Was ich auch erst kurz vor Fertigstellung des Machwerks gemerkt hab 🤪

Sämtliche Zeichnungen landen in einem schon viel zu lange ungenutzt herumliegendem quadratischem Aquarell-Sketchbook mit grau getöntem Papier von Hahnemühle, umgesetzt mit Tintenfüller, Tuschepinsel, Feder und Aquarellfarben von Golden Qor.

Und jetzt drück ich mir selber die Daumen, weiter als Tag zwei zu kommen…

Die Stichwörter des #Nichtober

Tim Curran | Hive [2005]

Tim Curran | Hive [2005]

So, das ging schneller als gedacht mit der nächsten Wortmeldung im Blog, wird auch nur ein kurzer Eintrag zum zuletzt gelesenen abgebrochenen Buch.

Tim Currans inoffizielle Fortsetzung zu H. P. Lovecrafts Eiswüstengrausler At The Mountains Of Madness fing erst ordentlich mit tentakligem Schrecken im Eis an, um dann ein paar Seiten weiter eine meiner Augenbrauen angesichts dümmlich überhöhter Fähigkeiten der Archäologen in der Handlung in die Höhe steigen zu lassen. Denen reicht ein scharfer Blick auf eine aus dem Eis gepulte, gut erhaltene und nicht mal aufgetaute Monstermumie, um ihr Alter auf mehrere Millionen (!) Jahre zu datieren. Meine Bereitschaft, sämtliche Logik gleich zu Beginn einer Geschichte über Bord zu werfen, kam hier schon hart an ihre Grenzen, beklopptes Genre hin oder her.

Kurz darauf dann aber der Todesstoß: dümmlicher Pimmelismus bei der Beschreibung der ersten, evtl. auch einzigen Protagonistin des Romans. Die Dame taucht hier zum ersten mal auf, und so lauten die Sätze, mit denen sie vorgestellt wird:

She was the only woman in camp and all the men were saying how she was too heavy for their liking, but by spring they’d all be trying to get into her pants. Thing was, she wasn’t heavy, not in Hayes’ worldview. She was wide in the hips, nicely rounded, in the way that he’d always found blatantly sexual. No, the men kept their distance (at least for the time being) because she intimidated them. It wasn’t anything she actually said or did, but maybe her face more than anything. Those upturned Nordic eyes of hers gave her a cold, detached look that was enhanced by her mouth which had a sort of cruel lilt to it.

Ja klar, das ist ja auch das wichtigste, was der Leser wissen muss, und überhaupt das, was weibliche Wesen ausmacht… Es geht dann auch nicht wirklich intelligenter weiter:

When he met her, Hayes liked her right away and the reason for that was downright silly. He didn’t even like to admit it to himself. She reminded him of Carla Jean Rasper from the third grade, his first serious crush. Same hair, same eyes, same mouth. When he’d first caught sight of Sharkey, he’d been instantly transported back to grade school, speechless and stupid just like he’d been around Carla Jean. Good Morning, little schoolgirl…

An diesem Punkt waren meine Augen bereits schmerzhaft nach innen gerollt, es hat sogar ein wenig gequietscht. Das letzte Tröpfchen im bereits übervollen Fass kam dann auf ein und der selben Seite mit diesen nachgeschobenen Sätzen aus dem Baukasten für Autoren, die ihre Zeit besser mit dem Schreiben von Ikea-Anleitungen verbringen sollten:

Sharkey sat down and Hayes found himself staring into her eyes a little too long. He wasn’t married, but she was. Her husband was an anthropologist on a grant, somewhere in Borneo, studying monkey semen or something like that.

Das war’s dann, Klappe zu, Affe äh Buch tot. Ich hab keine Lust auf solche Kackscheiße, und der Blick auf die nächsten paar Seiten ließ auch keine Besserung erkennen, also ab auf den Misthaufen damit. Gibt genug Autoren, die selbst mit hormonell beeinflusstem Glitzern in den Augen besseres für ihr weibliches Personal zusammenschreiben. Oder wenigstens unfreiwillig komischer. Guy N. Smith, ich schaue breit grinsend in deine Richtung!

Da ich hier nicht weit genug gekommen bin, um das ganze Ausmaß des literarischen Schreckens beurteilen zu können, verkneife ich mir eine Besternung. Bin doch gar nicht so.

Ein kleines Lebenszeichen…

Ja hallo, es gibt mich noch, bin weder Corona noch anderem Unbill zum Opfer gefallen. Das besagte große C hat nur meinen guten Vorsätzen (nicht nur) in Sachen Blogpflege ein Bein gestellt, um sie danach im Wannsee zu ersäufen. Bin schon froh, mir in den letzten Monaten wenigstens nicht den Abnehmerfolg der letzten drei Jahre versaut zu haben!

Was auch daran liegen dürfte, dass ich im März dem Berliner Horrorverkehr zum Trotz unter die Radler gegangen bin, um nicht weiterhin meinen Arbeitsweg in öffentlichen Verkehrsmitteln unter Anwesenheit des viel zu hohen Anteils ignoranter %!#*& verbringen zu müssen. Gestatten: das ist Mortimer. Günstiger 0815-Drahtesel, der mich aber zuverlässig durch die große Stadt trägt, ohne mich zu ärgern.

Mortimer, der Furchtlose

Ansonsten perfektioniere ich meine Fähigkeiten als Einsiedlerin, bis zum Ende des Jahres dürfte ich in dieser Disziplin den schwarzen Gürtel erlangt haben. Ich hab mehrere Jahrzehnte für diese Situation trainiert, das fällt mir also nicht mal schwer…


Die Zeichnerei liegt auch brach, an der Front gibt’s also ebenfalls nichts Neues zu vermelden, und seit der ganze Mist angefangen hat, hab ich gerade mal ein einziges Buch zuende gelesen. Und das erst vor Kurzem, Julius Fischers Ich hasse Menschen: eine Abschweifung. Eine sehr unterhaltsame und passende Lektüre, ich möchte dem Autor ein Bier spendieren und dabei „Oh mein Gott endlich versteht mich jemand!!11!!“ zurufen. Ganz besonders gelungen fand ich die Figur des schrecklich unausweichlichen Möhrenmanns, das geradezu apokalyptische Sinnbild für all die an den Nerven zerrenden Mitmenschen, denen man im öffentlichen Raum begegnet, ohne ihnen ausweichen zu können (ÖPNV!). Endlich, endlich habe ich eine griffige Bezeichnung für diese ganz besondere Spezies Mensch aus den finstersten Untiefen der Hölle!

Wie lange ich brauchen werde, um die aktuelle Lektüre Hive von Tim Curran zu beenden, steht in den Sternen. Oder den Eiskristallen, handelt es sich ja um eine Art inoffizieller Fortsetzung von H. P. Lovecrafts At The Mountains Of Madness, trotzdem mir das Original nicht wirklich gefallen konnte. Ja ja, ich weiß, Blasphemie, aber nur weil das große Schild KLASSIKER dranpappt, werde ich nicht automatisch über langatmigen Schwurbel ohne Ende hinwegsehen!


Immerhin hab ich dieses Jahr nun auch die Liebe zur guten alten Schallplatte wiederentdeckt, und mir nach rund 20 Jahren wieder einen Plattenspieler zugelegt. Und da normal langweilig ist und ich das Gerät zum Schnäppchenpreis erlegen konnte, wurde es ein dezent exzentrisches Modell von Pro-Ject, das aber alles andere als ein Spielzeug ist. Klingt ausgesprochen gut und zieht nicht mal so viel Staub, wie man vermuten würde. Ich bin verliebt, immer noch. *hachz*

Wieder eine Möglichkeit mehr, nicht vorhandenes Kleingeld zu versenken, aber zum Glück hab ich noch genug Altvinyl aus alten Sammlerzeiten übrig, das ich geschickterweise nicht verscherbelt hab, um nicht allzu hektisch das kleine Regal auffüllen zu müssen. Es gibt so schon viel zu viel schwarzes und buntes Plastik, an dem ich nicht oder nur unter Schmerzen vorbei komme…

Das war’s dann auch schon. Haltet die Ohren steif, bleibt gesund, und vielleicht schaffe ich dieses Jahr noch einen weiteren Eintrag im Blog. Schaunmermal. Und nicht vergessen:

Stephen Graham Jones | Zombie Bake-Off [2012]

Stephen Graham Jones | Zombie Bake-Off [2012]

Any zombie fight is a food fight.

Mit diesem Satz hat Herr Jones knapp und treffend formuliert, worum es in seinem Buch ziemlich nonstop geht: fressen oder gefressen werden, und das im eher ungewöhnlichen Setting einer „Hausfrauenmesse“ mit besonderem Schwerpunkt auf süßem Backwerk nach alten Familienrezepten.

In diese kreuzamerikanische Veranstaltung platzt eine verfrüht eintreffende Truppe Wrestler, die am selben Veranstaltungsort am Abend ihre Show gebucht haben. Dummerweise legen diese Herren (und Damen) größten Wert darauf, ihrem schlechten Ruf durch allerlei rüpelhafte Aktivitäten gerecht zu werden, und sorgen dafür, dass niemand die Allzweckhalle verlassen kann, bevor sie ihren „Spaß“ hatten.

Mehrere Kartons Donuts, die aus hier nicht näher erläuterbaren Gründen mit einem Zombievirus kontaminiert wurden, sorgen dann für mehr Action, als geplant war. Im Kampf ums Überleben kommt von Wrestlingtechniken bis Hightech-Küchenmaschinen alles den in der Halle Eingeschlossenen verfügbare zum Einsatz, aber ob das reicht?

The grandmother laughs. Mostly at herself. “So you think this is how it is?” she says to him, the mixer at her side like a pistol she can fastdraw. “You think I lived seventy-six years just to be dinner to your kind?”

Mahlzeit! (Ich hab schon mal eine Rezi so begonnen, aber es passt nun mal so schön hierher…) Eigentlich dachte ich, dass Stories aus dem inzwischen arg ausgelutschten Zombie-Genre mich nur noch milde unterhalten können, wenn überhaupt, aber Steven Graham Jones hat es geschafft, mich eines besseren zu belehren. Nicht etwa, weil er hier bahnbrechend neue Ideen oder Konzepte auffahren würde, sondern indem er seine Story schlicht und ergreifend in ein höchst beknacktes Umfeld verfrachtet und dann konsequent den Fuß auf dem Gaspedal parkt.

Man bekommt hier aber nicht nur hahnebüchene Action in dichtem Takt serviert, sondern als Zuckerguss auf dem Gemetzel eine handvoll Protagonisten, die zwar nicht gerade durch ausgefeilte Charakterzeichnung glänzen, aber in dem ganzen Durcheinander doch ausreichend Substanz besitzen, um mit ihnen mitzufiebern. Was mir durchaus zum ein oder anderen „alter Falter“-Moment beim Lesen gereicht hat, muss ich zugeben. Merke: leg dich nie mit Frauen an, die ihre Kinder pünktlich aus der Schule abholen müssen…

Was mir sehr positiv aufgefallen ist: sowohl Prota- als auch Antagonistinnen sind hier tonangebend, ohne dass es aufgezwungen wirkt oder man gar Arnolds große, vor Kraft kaum des Laufens fähige Schwester vorgestellt bekommt. Die Mädels treten mit Geschicklichkeit und Köpfchen Arsch, und das nicht zu knapp!

Von mir bekommen die schleckermäuligen Zombies jedenfalls vier von sechs Donuts, mit extra Zuckerguss!

Bewertung: 4 von 6.

Titel: Zombie Bake-Off
Autor: Stephen Graham Jones
Genre: Horror, Comedy
Sprache: Englisch
Umfang: ca. 260 Seiten
Format: eBook
Verlag: Lazy Fascist Press
Erstveröffentlichung: 2012